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Livi Roberto, Kresevljakovic Muhamed - 5 marzo 1993
"EUROPA, WACHE AUF UND RETTE UNS"

ZUSAMMENFASSUNG: Muhamed Kreseveljakovic, Bürgermeister von Sarajevo, Mitglied der Radikalen Partei und der Demokratischen Aktionspartei des Präsidenten Izetbegovic, erste politische Kraft des bosnischen Parlaments, Moslem, ist es Anfang März gelungen, das besetzte Sarajevo für eine Woche zu verlassen. Ein Falcon der italienischen Luftwaffe hat ihn aus der bosnischen Hauptstadt herausgeflogen und nach Italien gebracht, um jenen "Schimmer an Hoffnung" zu verstärken, den sein beeindruckender Optimismus ihn nicht hat verlieren lassen.

(DIE NEUE PARTEI, März 1993)

Der Einsatz der Radikalen, sowohl im italienischen Parlament als auch mit anderen politischen Initiativen - u.a. die der Partnerschaft zwischen den Städten Rom und Sarajevo - war entscheidend, um es dem Bürgermeister von Sarajevo zu ermöglichen, seine Stadt zu verlassen. Kresevljakovic hätte bereits aus Anla des Kongresses der Radikalen nach Rom kommen sollen. Emma Bonino und Sergio Stanzani, nach Zagrabia zurückgekehrt, nachdem sie den Bürgermeister in Sarajevo getroffen hatten, hatten am 29. Januar dieses Jahres erklärt, da dieser die Einladung, den Kongre zu eröffnen, angenommen hatte und da an diesem Punkt nur ein Eingreifen der italienischen Regierung für die Genehmigung und für angemessene Sicherheitsma nahmen bei Abflug und Rückkehr des Bürgermeisters und seiner Begleitmannschaft bürgen könne. Die UNO verweigerte die Erlaubnis für den Abflug, da er für die serbischen Heckenschützen ein "sicheres Ziel" sei. Endlich, am 27, Februar dieses Jahres, nachdem die Radikalen weiterhin Druck auf die italien

ische Regierung ausgeübt hatten, kam Muhamed Kresevljakovic in Rom an.

"Ich bin hier angekommen, nachdem ich das grö te Konzentrationslager, das zur Zeit in Europa existiert, verlassen habe". Dies waren die ersten Worte des Bürgermeisters bei seiner Ankunft.

Es gab zahlreiche und wichtige Begegnungen. Er wurde vom Ministerpräsidenten Giuliano Amato empfangen, um humanitäre Hilfsaktionen in Bosnien zu vereinbaren und um ein stärkeres Engagement zu erwirken, damit der andauernde Völkermord aufgehalten werden kann.

Er hat die Präsidenten der beiden italienischen Kammern getroffen, die sich verpflichtet haben, eine internationale Kampagne für die Wiederherstellung des bosnischen Parlaments zu fördern. Er hat die Minister des Verteidigungsministeriums, des Justizministeriums, des Ministeriums für Au enhandel und des Au enministeriums um dringende Hilfe für sein Land ersucht und sich ihrer Unterstützung versichert.

Er hat in Florenz an der 3.Internationalen Konferenz über regionale und städtische Kooperation teilgenommen und von der Stadt Florenz eine Ehrung erhalten, "im Zeichen der Hoffnung für ein schnelles Ende des Bruderkriegs und die Wiederherstellung eines gerechten Friedens".

Der Staatspräsident Oscar Luigi Scalforo hat ihm versichert, da er sich dafür einzusetzen wird, der Europäischen Gemeinschaft und der UNO die dringende Notwendigkeit sofortiger Eingriffe in Bosnien bewu t zu machen.

Vor seinem Rückflug nach Sarajewo hat der Papst Muhamed Kresevljakovic in einer langen und ergriffenen Privataudienz empfangen.

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INTERVIEW DES BÜRGERMEISTERS VON SARAJEVO

Die Männer von Karadzic haben die Mission der USA boikottieren wollen? Oder wollen si zeigen, da sie sich die Territorien holen können, die sie wollen?

Kreseveljakovic - Die serbischen Angreifer, seien es Tschetniks, Elemente derehemaligen Armee oder Söldner, haben sich ein Ziel gesetzt, die "ethnische Säuberung" der Territorien, die sie erobern wollen und sie versuchen, dieses Ziel mit allen Mitteln in die Tat umzusetzen. Bis heute hat ihnen die Passivität der Welt Recht gegeben. Sie hat sie davon überzeugt, da sich die Strategie, Verhandlungen aufrecht zu halten und in der Zwischenzeit die Waffen einzusetzen, bezahlt macht, da die Gewalt der Waffen wichtiger ist als die Kraft der Vernunft.

Europa erscheint unfähig, die inneren Spaltungen zu lösen, seine Machtlosigkeit und Bewegungslosigkeit zu überwinden..

Kreseveljakovic - Die Europäische Gemeinschaft hat eine gro e Verantwortung. Der primäre Anla für diesen Krieg war unser Wunsch - vielleicht zu früh ausgedrückt - ein Teil Europas zu sein. Dies ist das Vergehen, das uns die serbische Führung nicht verziehen hat und weswegen sie den Krieg wollte.

Sie haben sich gegen den Plan des Amerikaners Vance und des Engländers Owen ausgesprochen, der von den Vereinten Nationen diskutiert wird.

Kreseveljakovic - Wir sind für jede diplomatische Iniziative: jede Verhandlung ist besser als der Krieg. Aber jede ausgehandelte Lösung mu darauf basieren, da der Angreifer nicht prämiert wird. Die Aufteilung Bosniens in ethnisch homogene Zonen kommt dem Willen Belgrads entgegen, d.h. da die Serben alle in einem Staat leben sollen. Diese These bildet die Basis der ethnischen Säuberung.

Haben sie alternative Vorschläge?

Kreseveljakovic - Die offizielle Formulierung ist politische Aufgabe Bosniens. Ich meinerseits gebe zwei Richtlinien an: die Gleichheit der drei Völker - Moslems, Serben, Kroaten - die in Bosnien leben, mu garantiert werden: schlie en wir sie nicht in ethnische Enklaven ein. Zweitens, es mu weitgehende internationale Kontrollen geben, damit die Respektierung des Rechts auf Gleichheit garantiert wird, ebenso wie es eine Garantie, eine wahre Garantie dafür geben mu , da die Vergehen bestraft werden.

Bosnien-Herzegowina stellt eine Art Insel in Europa dar, wo verschiedene Ethnien und verschiedene Religionen, die moslemische und die katholisch-orthodoxe, zusammenleben. Ist es mit dieser Tolleranz vorbei? Besteht die Gefahr eines Aufflammens des islamischen Fundamentalismus?

Kreseveljakovic - Auch dies hängt wieder von Europa ab. Wenn Europa weiterhin in seiner Beobachterrolle verharrt und angesichts des Krieges und der Massaker in unserem Land passiv bleibt, so wird der Überlebensinstinkt das bosnische Volk zu extremistischen, faschistischen, fundamentalistischen Entscheidungen drängen... Aber ich bin Optimist, ich glaube, da die "Besonderheit" Bosniens überleben kann.

(aus "Il Messaggero", 5.März 1993)

 
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