von Giorgio Pagano- - - - - - - - - - - -
Giorgio Pagano, seit Jahren europaeischer Foederalist und Esperantist, ist momentan Mitglied des Foederativen Rats der Radikalen Partei und Sekretaer der "Esperanto" Radikala Assoziation-Koordination fuer die europaeische kulturelle und demokratische Integration (ERA-CODICE).
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Die rasend fortschreitende Globalisation von unzaehligen Problemen, zwingt die Menschen sich untereinander zu verstehen, um auf angemessene Weise, und trotz unterschiedlicher Muttersprache, auf jene schwerwiegenden Herausforderungen zu antworten.
Durch einen Vereinigungsprozess der Maerkte von 21 Laendern Europas (12 der EG und 6 der EFTA, plus Tschechoslovakei, Polen und Ungarn) wird ein derartiges 'Verstaendnis' noch wichtiger, vor allen Dingen fuer das Schicksal der Gemeinschafts- und kontinentalen Demokratie selbst, aber auch fuer die Bestaetigung des kontinentalen Vereinigungsprozesses.
Wenn man z.B. oekonomische Monopolisierungsprozesse des Grossen Marktes vermeiden moechte, und somit eine realistische Nutzung des gemeinschaftlichen Gebietes und der in ihm enthaltenen Arbeitsmoeglichkeiten erlauben will (ein europaeischer Buerger muss die Moeglichkeit haben 2 Monate in Frankreich, 6 in Deutschland, 4 in der Slovakei, 12 in Griechenland... zu arbeiten und sich direkt mit all diesen nicht mehr italienischen, deutschen, franzoesischen, griechischen sondern, ohne Ausnahme, europaeischen Buergern zu verstaendigen) ist eine auf dem demokratischen Recht gestuetzte linguistische Union unentbehrlich.
Im Bereich des Linguistischen Rechtes haben alle Sprachen den gleichen Wert, und jeder hat das Recht sich nach seinen Moeglichkeiten und Faehigkeiten auszudruecken; in diesem Sinne werden in den grossen internationalen Versammlungen oder im europaeischen Parlament diese Rechte unterstuetzt, auch wenn unter enormen Kostenaufwand, nicht nur in finanzieller sondern auch in menschlicher und politischer Hinsicht.
Im Europaeischen Parlament, z.B., werden die Sitzungen oft wegen der Abwesenheit des Dolmetschers oder weil bestimmte Abaenderungen nicht rechtzeitig verteilt worden sind, verschoben; oft beklagt man sich wegen der ungenauen schriftlichen bzw Simultanuebersetzung, ein Problem, dass sich aus der Schwierigkeit bestimmte Sprachkombinationen wie z.B. Daenisch-Italienisch zu finden, ergibt. Dies Problem wird nur dadurch geloest, dass eine dritte Sprache als Bruecke fungiert und man auf diese Weise eine Uebersetzung garantieren kann. Ein weiterer Punkt ist der Mangel an direktem Kontakt zwischen Redner und Zuhoerer, und der daraus hervorgehende Verlust der Rethorik, der Sprache allgemein und natuerlich des Humors. Emblematisch erscheint uns die Aussage des Abgeordneten O'Hogan in einer 1979 stattgefundenen Befragung ueber "Eurovaniloquio": "...die Daenen lachen immer zuletzt!"
Direkt aus all diesem geht hervor, dass ein mehrsprachiges 'Verstandnis' nur durch das Einschieben einer komplexen und aeusserst teuren Dolmetscher- und Uebersetzerorganisation, welche im Endeffekt von allen Buergern bezahlt wird, moeglich ist.
Ausserdem entnehmen wir ganz eindeutig, dass, laut der linguistischen Politik der EG, die europaeischen Buerger - da sie keine derartige Organisation benutzenoder sich erlauben koennen - so viele Sprachen wie moeglich lernen muessen, theoretisch mindestens 9.
Da diese Perspektive offensichtlich nicht praktikabel ist, haben die Buerger gelernt sich zu arrangieren, indem sie naemlich gewaehlt haben die vorherrschende Sprache/n zu lernen. In diesem Krieg der Sprachen fuer die Kommunikation zwischen Buergern verschiedener Laender, siegten also die vorherrschenden Sprachen, und genauer ausgedrueckt, die am meisten gesprochene Sprache ueberhaupt: Englisch.
"Wer domimiert, nominiert" sagt ein uraltes Sprichwort, und da die Oekonomie mehr als jede andere Macht die Geschichte der Menschen dieses Jahrhunderts dominiert, konnte die vorherrschende Sprache nur die der Elite welche, durch die Multinationalen die groesste Kapitalanhaeufung verwaltet hat, sein. Die Macht der Multinationalen, tatsaechlich aber amerikanischen, Gesellschaften, ueber die Weltproduktion und vor allen Dingen ueber die Kulturnahe Produktion, hat auf fast natuerliche Weise eine Situation hervorgerufen, in der saemtliche fortgeschrittene Technologien auf amerikanischer Sprache formuliert, produziert, verkauft und haeufig auch benutzt werden.
In vielen europaeischen Laendern, hat man ausserdem eine Entwicklungstheorie akzeptiert, die aussagt, dass jeder kulturelle Unterschied eine Verspaetung darstellt und aufgeholt werden muss, um ueber den selben Weg zu den Entwicklungsstadien der fortgeschrittenen Kapitalistischen Laender zu gelangen: man koennte dies einen Prozess der Autokolonisation nennen. Diese Autokolonisation findet umso schneller statt je naeher die verschieden Kulturen den Leitmodellen sind (auch wenn sie nur als solche akzeptiert werden) und je unfaehiger die Regierungen dieser Laender sind, sie zu vertreten. Das beste Beispiel dafuer liefert Europa selbst: hier wurde die Modernitaet geboren aber die politische Unfaehigkeit, die nicht verstand, dass um sie zu vertreten andere Schritte und Energien noetig waren, als die der abgestandenen Nationalitaet, hat dazu beigetragen, dass andere sich der Modernitaet bemaechtigten, und dass die Lokomotive der Welt ein demokratischer, foederaler Staat auf der anderen Seite des Atlantiks wurde.
Eine vollkommen andere Sensibilitaet und Antwort hat man dagegen von Kulturen die sich auf voellig unterschiedlichen Konzepten, politischen Ideen, und auch Gewohnheiten gebildet haben.
Diese befinden sich in der Unmoeglichkeit bewusst und auch im Unterbewusstsein, einen solchen Prozess der Zerstoerung und der Verbreitung eines persoenlichen Angehoerigkeitgefuehls, zu akzeptieren; daher die harte, aber verstaendliche Reaktion, z.B. der Voelker islamischer Kultur, und ihr integralistisches Motto: "modernisiere nicht den Islam sondern islamiere die Modernitaet".
Was das Phaenomen der progressiven Zerstoerung und des Todes der Sprachen und der Kulturen betrifft, haben die Esperantisten immer unterstrichen, dass die Geschichte uns lehrt, dass di Sprache vorherrschender Menschen, wenn sie sich auch in der Rolle der freien internationalen Sprache durchsetzt, die anderen Sprachen und Kulturen Stueck fuer Stueck auffrisst und durch ein Verseuchungsphaenomen zerstoert. Um dies zu belegen haben sie als Beispiel Latein oder Spanisch angefuehrt, welche autochthone Kulturen und Sprachen des antiken Europas und Mittel- und Suedamerikas zerstoert haben.
Aber das was sich in Europa, in einer postmodernen Phase und kurz vor einer neuen Epoche, wieder breitmacht, ist, wie auch in der Vor-faschistischen Zeit, die Unfaehigkeit der Mehrzahl der aktuellen politischen Klassen das Neue vorherzusehen und zu handhaben, mit der daraus hervorgehenden Wiederbelebung der reaktionaeren Kraefte.
Diese moralistische und mit demokratischen Werten gespickte Dekadenz ist der Ursprung der mangelnden Anerkennung einer Binsenwahrheit fuer Voelker unterschiedlicher Sprachen die sich vereinen wollen: einem politischen Foederalismus muss ein linguistischer Foederalismus entsprechen.
So wie in dem politischen Foederalismus nur eine foederale und uebernationale Macht eine Kontrolle und eine Loesung dessen was uebernational ist, gewaehrleistet, so kann nur die Einfuehrung einer uebernationalen (also keines Landes, keiner Nation, keiner Vorherrschaft) Sprache, sei es die noetige linguistische Union garantieren, als auch den Schutz und die Promotion - statt der Destruktion - der unterschiedlichen Sprachen und Kulturen all dieser Voelker. Das ist einer der Hauptgruende fuer eine planetarische lebendige Sprache ethischen und nicht ethnischen Ursprungs, wie es die internationale Sprache Esperanto ist.
Nur wenige wissen, dass eine wahre natuerliche Selektion dem Esperanto erlaubt hat von synthetischer zu lebendiger Sprache ueberzugehen. Tatsaechlich zaehlt man nur im XIX Jahrhundert im ganzen 500 verschiedene universelle oder internationale Sprachen oder Sprachprojekte die nie ins Leben gerufen wurden.
"Ich komme zu euch aus einem Land wo viele Millionen Menschen hart fuer die Freiheit kaempfen, fuer die grundlegendste Freiheit, fuer die Menschenrechte (...) Wenn man uns, die ersten Esperanto Kaempfer, zwingen sollte aus unserem Werk jedes Ideal auszuschliessen, werden wir, empoert, alles was wir fuer Esperanto geschrieben haben verbrennen und zerreissen (...) und mit Verabscheuung werden wir schreien: "Mit diesem Esperanto, das nur und ausschliesslich kommerziellen und praktischen Zwecken dienen soll, wollen wir nichts zu tun haben!"
Die Deklaration Zamenhofs, die wir oben angedeutet haben, wohl die am haeufigsten zitierte der Esperantistischen Welt, erklaert ausfuehrlich wie sehr Esperanto schon immer eine Form der menschlichen Bruederlichkeit, ueber alle Rassen, Sprachen und Nationalitaeten hinweg, darstellt und warum die Esperantisten immer verfolgt, ausgelacht oder beleidigt worden sind, sei es von Diktatoren wie Stalin oder Hitler als von nazionalistischen Demokraten.