ZUSAMMENFASSUNG: Im Auto erreichte uns die schmerzliche Nachricht vom Tode unseres Genossen Momcilo Vukasinovic, radikaler Serbe in Kroatien, getötet im Dezember an der kroatischen Front. Nach seinem Tod veröffentlichten einige seiner Freunde, wie auch "Momo" Mitglieder der Radikalen Partei, eine Sammlung seiner Erzählungen, darunter auch ein Brief, den wir hier abdrucken wollen.
(DIE PARTEI NEU - No 6 - März 1992)
Bjelovar, 13.Oktober 1991
"Lieber Drazen, ich möchte dir gerne erklären, warum ich "aktiv" in dieses Blutbat eingestiegen bin. Um dir die Wahrheit zu sagen, ich werde es ihnen niemals verzeihen können, da sie mich dazu gezwungen haben zu töten. Ich bin kein Held. Ich sterbe vor Angst, und trotzdem schaffe ich es nicht, mich rauszuhalten. Ich kann es kaum begreifen, und doch ist es so. Ich erinnere mich an Budapest und an unsere transnationale Radikale Partei, der Kampf für die Rechte der Ausgegrenzten, für die Legalisierung der Prostitution, für die Liberalisierung des Rauschmittelmarkts ..., und dann 'Leptir' ("Der Schmetterling", eine Zeitschrift, Anm. der Redaktion) und all das andere. Eine andere Welt.
Ich überlasse dir meine Erzählungen. Niemand kann wirklich verstehen, was sie mir bedeuten und warum ich sie geschrieben habe.
Du sollst wissen, da ich mir schon immer ein Europa ohne Grenzen gewünscht habe, in dem vor allem anderen die Rechte des Einzelnen geachtet werden. Ich bin kein Kroate, aber mein Heimatland ist Kroatien. Ich bin von meiner Herkunft her Serbe. Ich schäme mich dessen nicht. Ich werde niemals meinen Namen und meine Herkunft verleugnen. Es tut mir leid, da wir gerade gegen die Serben kämpfen, aber da kann ich auch nichts dran ändern. Ich glaube, wir kämpfen gegen einen total überholten Stalinismus. Ich hoffe, da 'Leptir' immer noch fliegt, und ich schicke dir noch mehr von meinen Erzählungen, wenn ich das hier überlebe. Mach's gut, und mach mir bitte keine Vorwürfe."
Momcilo Vukasinovic war 26 Jahre alt. Er wurde in Bjelovar geboren. Er war Elektriker und Hobby-Schriftsteller. Er kannte die Radikale Partei seit Jahren. 1990 wurde er zum ersten Mal Mitglied, als er an einem Organsiationstreffen im Sitz der Radikalen Partei in Budapest teilnahm. Im Oktober 1991 trat er als Freiwilliger in die kroatische Nationalgarde ein.
Er wurde am 4. Dezember in Komletinci, in der Nähe von Vinkovci, zusammen mit anderen sechs Freunden aus Bjelovar durch einen Schu in den Hals aus einem Maschinengewehr getötet. Sie waren während einer Erkundungspatrouille in einen Hinterhalt der Tschetniks, der sogenannten "Wei en Adler" geraten.