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Il Partito Nuovo - 30 marzo 1992
AIDS: Der Fall Italien

ZUSAMMENFASSUNG: Dieser Artikel wurde am 1. März geschrieben. Der Autor, Luigi Cerina, ist Mitglied der Radikalen Partei und Präsident des Nationalen Italienischen Koordinationszentrums der HIV-Positiven.

(DIE PARTEI NEU - No 6 - März 1992)

In der ganzen Welt gibt es 446.681 Fälle von AIDS. Das sagen die jüngsten, von der OMS erhobenen Daten, die auch von einer Zunahme um mehr als 28.000 registrierten Fällen in den letzten 4 Monaten sprechen. Nach Meinung der Experten müssen diese Zahlen mit dem Faktor drei multipliziert werden, um das genaue Ausma dieses Phänomens exakt einschätzen zu können. Hinzu kommen mehr als eine Million HIV-positiver Personen. Die Vereinigten Staaten sind mit 202.843 registrierten Fällen das am stärksten betroffene Land der Welt und hier ist auch die grö te Zuwachsrate zu verzeichnen.

Nach den Statistiken der Obersten Gesundheitsbehörde wurden am 31. Dezember 1991 in Italien 11.609 Fälle von AIDS registriert. 65,8% der Kranken hat sich durch unsaubere Spritzen mit dem Virus infiziert, 14,8% durch homesexuellen Sexualverkehr, 6,7% durch heterosexuellen Sexualverkehr und 2,8% durch Transfusionen von Blut und Blutderivaten.

Darüberhinaus kann aus diesen veröffentlichten Daten auch entnommen werden, in welcher Weise sich der Zuwachstrend in den letzten Jahren qualitativ deutlich gewandelt hat.

Der Anteil der infizierten Homosexuellen hat abgenommen, während der Anteil der Drogenabhängigen deutlich gestiegen ist. Den grö ten Zuwachs hat ein Bereich zu verzeichnen, der lange nicht zu den Risikogruppen gezählt wurde, nämlich der der Ansteckung durch heterogene Sexualkontakte. All das macht deutlich, da die Seuche sich immer mehr ausbreitet, weil die Riskiken unterschätzt wurden, so wie schon in der ersten Hälfte der 80er Jahre geschehen, als die Bevölkerung, da nicht über Drogenkonsum und Sexualkontakte als Risikofaktoren gesprochen wurde, der ungehinderten Ausbreitung der Krankheit ausgesetzt wurde. Dennoch sind die Aufklärungskampagnen von einem arroganten überall gegenwärtigen moralisierenden Ton getragen, was die direkte Auseinandersetzung mit dem Problem stark behindert. Man steckt den Kopf in den Sand, verschlie t die Augen. In den Gefängnissen, anstatt Präservative und Einwegspritzen kostenlos zu verteilen, tut man so, als gäbe es die Drogen nicht, als kämen sie nicht herein, als wäre die Ho

mosexualität eine unbekannte sexuelle Praxis. Es werden Gesetze verabschiedet, die die Drogenabhängigen in die Gefängnisse trasferieren, die die Verteilung von Spritzen verbieten.

Gerade um diesen Massenselbstmord zu stoppen, ist der Kampf gegen AIDS in Italien und in den Ländern, in denen die Drogen verboten sind, zu einem Kampf gegen das staatliche Drogenverbot geworden. Man denkt nicht im geringsten daran, in öffentlichen Plätzen, und auch die Gefängnisse sollten als solche betrachtet werden, kostenlos Präservative zu verteilen; jedwede andersartige Form der Sexualität wird unter Strafe gestellt, als au erhalb der Norm (im juristischen Sinne des Wortes betrachtet) gestellt oder im besten Fall ignoriert, anstatt denjenigen zu schützen, der sich aus freien Stücken dazu entschlie t zu lieben. Solange die Aufklärungs- und Vorbeugungskampagnen nicht in diesem Sinne entmoralisiert werden , wird es schwierig sein, eine psychologisch so verfluchte Seuche wie AIDS einzudämmen.

Die Ansteckung mit dem HIV-Virus ist eine Krankheit und nichts anderes, und als solche mu sie bekämpft werden, unter Nutzung der Mittel, die die moderne Medizin und Wissenschaft zur Verfügung stellen können. Doch wenn auf der einen Seite immer mehr Mittel zur Erforschung eines Impfstoffes oder einer Therapie zur Verfügung gestellt werden,dann ist es auf der anderen Seite ebenso wichtig, vernünftige Antworten auf die Fragen zu finden, die die Krankheit selbst stellt. Die Erfahrungen der weltweit operierenden Institutionen der Sozialarbeit und der nicht staatlichen Vereinigungen müssen einbezogen werden, ebenso wie die Ergebnisse der Wissenschaft. Der Kampf gegen AIDS mu , um erfolgreich zu sein, aus der Provinzialisierung herauskommen und auf internationaler Ebene geführt werden, und er mu mit der Herausforderung, den die Krankheit selbst stellt, wachsen.

Aber auch auf praktischer Ebene ist die Situation der AIDS-Kranken und die der HIV-Positiven alarmierend. Keiner der Kranken und der AIDS-Infizierten ist in der Lage, seine Interessen direkt zu vertreten. Nicht ein direkt Betroffener ist in der Nationalen Kommission zur Bekämpfung von AIDS vertreten, in dem höchsten italienischen Beratungsorgan auf ministrieller Ebene.

Das mit dem Ziel der Bekämpfung der AIDS-Problematik entstandene Beratungszentrum für AIDS-Probleme, bestehend aus den wichtigsten italienischen Selbsthilfegruppen, stellte eine Reihe von Forderungen an das Gesundheitsministerium: Übernahme der von dem Centre of Desease Control in Atlanta vorgeschlagenen Kriterien zur Diagnose von AIDS, z.B. Anpassung der eigenen Parameter, was bedeutet, als HIV-positiv all diejenigen zu betrachten, die weniger als 200 T4 (Linfozythen, also Blutzellen des Immunsystems) haben. Die Übernahme dieser Parameter würde z.B. bedeuten, da viele infizierte Gefangene aus dem Gefängnis entlassen werden mü ten, damit sie sich, solange die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist, behandeln lassen können. Auch vielen Infizierten, die Antrag auf Invalidenrente stellen, wäre damit geholfen, denn die, die das nach den geltenden Kriterien tun, werden niemals lebend in den Genu der Rente kommen. Ebenso wichtig wäre diese Änderung in Bezug auf die Frage der häuslichen Krankenpflege, von der nach

den geltenden Kriterien erst wenige Betroffene Gebrauch machen können.

Die auf der Tagesordnung stehenden Forderungen sind vielfältig. An dieser Stelle wollen wir nur an die Schwierigkeiten erinnern, die bei der Verschreibung und kostenlosen zur Verfügungstellung der zur AIDS-Therapie notwendigen Medikamente bestehen.

 
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