ZUSAMMENFASSUNG: Am 13 April 1992 hat Piero Verni, Sekretär der Vereinigung "Italia-Tibet", in Dharamsala, einem Dorf im indischen Himalaya, den Dalai Lama, Friedensnobelpreisträger, Leader im Exil des tibetanischen Volkes und Symbol der Gewaltlosigkeit und des Dialogs, interviewt.
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"Au er den Torturen, den wahllosen Verhaftungen, den Todestrafen läuft in Tibet der Versuch di Kultur des tibetanischen Volkes vollkommen zu vernichten. Es besteht ein systematischer Willen selbst die Erinnerung an das was einmal eine der ältesten und wichtigsten asiatischen Traditionen war, zu entwurzeln" : Dies behauptet der Dalai Lama in dem hier veröffentlichten Interview. Tibet ist nur eines der Länder dieses Planeten in denen die Menschenrechte verletzt und die Existenz von Individuen oder gar ganzen Völkern untersagt wird.
Eine Organisation zu gründen welche fähig ist auf gewaltlose Art in die Krisensituationen der Welt einzugreifen, indem sie Recht und übernationale Gesetze bestätigt, welche für eine Reform der Organisation der Vereinten Nationen kämpft auf das sie das Prinzip, welches das Zusammenleben regelt und die unbegrenzte Macht des einzelnen Staates, überholt, dies sind unsere Aktionsobjektive, unsere Projekte.
(DIE PARTEI NEU - No 7 - MAI 1992)
Frage: "Wie sehen Sie die aktuelle politische Situation in Tibet?"
Antwort: "Auch wenn sie weiterhin sehr schwierig ist habe ich den Eindruck einige positive Signale erblickt zu haben. Meiner Meinung nach könnte der Tibet in fünf bes zehn Jahren von der chinesischen Unterdrückung befreit werden. Ich meine China wird zwangsläufig eine ähnliche Entwicklung wie die Sovietunion mitmachen. Innerhalb einiger Jahren wird unser grosser asiatischer Nachbar einige Veränderungen mitmachen."
F.: "Während des kürzlichen Besuches des chinesischen Ersten Ministers Li Peng in Indien, haben verschiedene indische Politiker und Intellektuelle die Positionen der Regierung Neu Delhis dem Tibet betreffend kritisiert. Was ist ihre Meinung dazu?"
A.: "Seit 1959 bis heute haben die indischen Regierungen den tibetanischen Flüchtlingen unter einem menschlichen Gesichtspunkt sehr geholfen. Sie haben uns in Indien aufgenommen wo wir auch Dank der Indischen Autoritäten die Möglichkeit hatten die grundlegenden Elemente unserer Zivilisation beizubehalten."
F.: "Aber aus dem politischen Gesichtspunkt heraus hat die indische Regierung nie wirklich den Kampf der Tibetaner fuer die Demokratie unterstützt und, vor allen Dingen in den letzten Jahren, anscheinend Angst davor Peking zu kritisieren; sei es was Tibet angeht als auch die Situation der Menschenrechte im chinesischen Territorium."
A.: "Ich möchte mich jetzt nicht in die Au enpolitik der indischen Regierung einmischen, aber ich kann sagen, da es mir weh tut, da die Autoritäten von Neu Delhi dem demokratischen und gewaltlosen Kampf des tibetanischen Volkes nicht konkret unterstützen. Sie geben ihnen nicht die selbe politische und moralische Hilfe die sie zum Beispiel den Freiheitskämpfen anderer Völker, der Palästinenser oder der schwarzen Bevölkerung Südafrikas, anbieten. Au erdem wäre ein freies Tibet im Interesse beider Länder, Indiens und Chinas. Sie hätten dann nämlich keine gemeinsame Grenze mehr und könnten das Geld, das sie jetzt in den Unterhalt tausender Soldaten an den respektiven Grenzen stecken, für friedliche und humane Zwecke anwenden."
F.: "Was antworten Sie jenen, die behaupten, die chinesische Regierung habe auf das eigene Volk die gleiche unterdrückende Gewalt ausgeübt wie auf die Tibetaner?"
A.: "Sicher hat auch das chinesische Volk unglaublich unter den Menschenrechtsverletzungen der kommunistischen Regierung Pekings gelitten. Das Problem Tibets ist jedoch leider gravierender da es sich hier um einen regelrechten kulturellen Völkermord handelt. Au er den Torturen, den wahllosen Verhaftungen, den Todesstrafen, läuft in Tibet der Versuch die Kultur des tibetanischen Volkes vollkommen zu zerstören und zu vernichten. Es existiert ein systematischer Willen selbst die Erinnerung an das was einmal eine der ältesten und wichtigsten Kulturen Asiens war, zu entwurzeln."
F.: "Wenn Sie von kulturellem Völkermord sprechen, meinen Sie damit auch die Masseneinwanderung in den Tibet von chinesischen Kolonialisten?"
A.: "Natürlich. Die Einwanderung von mehrerer Millionen Chinesen stellt eine direkte Bedrohung der tibetanischen Kultur und des Volkes dar. Eine unglaubliche Anzahl von Chinesen zieht auch heute noch in mein Land um sich dort anzusiedeln. Die besten Arbeiten sind fuer die Chinesen reserviert, welche, mit wenigen Ausnahmen, in erster Person über das 'Dach der Welt' regieren. Der echte Lebensstil und die kulturelle Identität sind schon kurz vor dem Aussterben.
F.: "Glauben Sie, da die letzten Behauptungen Deng Tsiao Pings mal wieder die hundertste Richtungsänderung der chinesischen Politik darstellten?"
A.: "Das kann sein. Es sieht so aus als ob die Gemässigten wieder in der Offensive geraten und die Exponenten des extremistischen Flügels Boden verlieren würden. Es wird auch von einem Austausch Li Pens durch einen offeneren Politiker geredet."
F.: "In diesem Fall würde sich eine Möglichkeit der Verhandlung zwischen Ihrer Regierung und der Leadership Pekings eröffnen?"
A.: "Es ist schwer das vorherzusehen. Es ist möglich, da wenn sich die chinesische Situation positiv entwickelt, auch eine Besserung der tibetanischen Problematik eintritt. Meinerseits bin ich davon überzeugt, da eine Lösung des Dramas meines Volkes nur durch eine Politik des Dialogs, der Gewaltlosigkeit, des gegenseitigen Verständnisses erreicht werden kann. Wenn man auf beiden Seiten kein Klima des Vertrauens und des guten Willens errichten kann werden wir alle verlieren, Tibetaner und Chinesen. Aus diesem Grunde wiederhole ich hiermit meine Bitte an die Dirigenten Pekings, mir die Möglichkeit zu geben eine Reise nach Tibet zu unternehmen. Auf diese Weise könnte ich nicht nur meinem Volk meine Ansicht eines gewaltlosen und demokratischen Kampfes fuer unsere Rechte erklaeren, sondern mich auch mit den chinesischen Leader um einen Tische setzen und, durch den persönlichen Kontakt, versuchen eine neue Atmosphäre herzustellen, die weniger mi trauisch ist. Auf dieser neuen Basis könnte man eine konstruktive u
nd freundschaftliche Diskussion aufbauen. Dies ist, zumindest, meine Hoffnung."