ZUSAMMENFASSUNG: Wir veröffentlichen den Brief, den Laurent Akoun, Mitglied der Radikalen Partei, und Vertreter der Partei der Arbeiter der Elfenbeinküste, seit dem 18.Februar 1992 verhaftet, an seinen Freund und radikalen Militanten Gaoussou Ouattara geschrieben hat und uns über seine Frau Gisèle hat zukommen lassen. Laurent Akoun beschreibt die Umstände seiner Verhaftung, den Prozess und das Leben im Gefängnis.
(DIE PARTEI NEU - No 7 - MAI 1992)
Gefängnis von Abidjan, 20. Maerz 1992
"Lieber Freund, Ich bin Dienstag, den 18. Februar 1992 im Hause von Francis Wodie, wo wir, zusammen mit anderen drei Mitgliedern der Leitung der Arbeiterpartei eine Versammlung hatten, verhaftet worden. Zwei Militanten, die gehört hatten, da Francis Wodie verhaftet worden war, haben sich zu uns gesellt.
Gegen 17.30 haben zwei Kommissare, zwei Statthalter und ein dutzend bis auf die Knochen bewaffnete Polizisten die Wohnungstür aufgebrochen und uns dazu aufgefordert ihnen ins Kabinett des Ministers für innere Sicherheit zu folgen, wo wir, laut Beamten, wegen einer "Identitätskontrolle" erwartet wurden.
Statt uns in das Ministerkabinett zu begleiten, wurden wir, unter strenger Bewachung der nationalen Gendarmerie, in das "Lager von Agloun" verfrachtet. Wir wurden aufgefordert uns Keider und Schuhe auszuziehen bevor wir in eine Zelle der Polizeistelle geworfen wurden in der an die hundert, teilweise blutende, Demokraten, auf der nackten Erde lagen. Wir verbrachten 72 Stunden in denen wir auf jede Art und Weise gedehmütigt wurden: gedrängt wie Sardinen, in den Nasen Klogeruch und Fliegen.
Am 21 Februar sind wir, zusammen mit weiteren 19 Verhafteten, vor das Gericht von Abidjan gewiesen worden, wo die Verhaftung bestätigt wurde. Unter der Anklage "Mitverursacher von Schäden, bewu ter Brandstiftung und Aggressionen" zu sein, wurde unser Proze im Schnellverfahren erledigt. Das Urteil wurde am 6 März ausgesprochen. 8 von uns sind freigelassen, 12 sind verurteilt worden: Laurent Akoun, Kessié Raymond Koudou, Bruno Ophou Gnaoule, ein Jahr Gefängnis plus 300.000 Francs Strafe; Laurent Gbagbo, Renè Degni-Segui, Louis Dacoury, Lucien Akret, Michel Legre, Mollé Mollé, Coffy Ahibo, Obou Ouraga (welcher sich der Polizei gestellt hat als diese seine Frau als Geisel genommen hatte), Odette Likikouet, zwei Jahre Gefängnis plus 300.000 Franc Strafe.
Weitere 126 Demokraten sind am 24 Februar von dem Lager in Agban in das Gefängnis von Yopougon verlegt worden; unter ihnen, 10 Minderjährige. Bis heute sind nur zwei von ihnen im Eilverfahren vor Gericht gekommen und verurteilt worden: Madame Gbagbo, ein Jahr und 300.000 Franc Strafe und Georges Coffy, 2 Jahre und 300.000 Franc Strafe. Für die anderen wurde die Prozedur geändert: sie sind in Haft und warten auf den Proze .
Die Haftbedingungen sind sehr schwierig. Zwanzig Tage lang durften wir weder mit Freunden noch mit Verwandten reden. Keine Arztvisite, obwohl der hygienische Zustand beklagenswert war (eine Choleraepidemie hat vor zwei Monaten die Gefängnisbewohner dezimiert). Pausenlose Gegenwart eines hierherbeordneten Kommandos der Gendarmerie im Innern des Gefängnisses nur drei Meter von unseren Zellen entfernt.
Um eine "Gesprächsgenehmigung" zu bekommen, müssen die Besucher praktisch alle Büros des Justizpalastes durchlaufen, und einen ganzen Tag warten in der Hoffnung diese Erlaubnis zu erhalten. Nachdem die besonders Glücklichen dieses Dokument erhalten haben ist ihr Eintritt durch die Gitter des Gefängnisses eine weitere Probe, die ohne Weinflaschen an die 'Besitzer des Ortes' nicht überwunden werden kann. Der Besuchsraum ist ein wahres Erlebnis, in dem Gefangene und Besucher auf undenkbare Weise eingepfercht sind und in dem ein unbeschreiblicher Lärm herrscht.
Das Gefängnis, vorgesehen fuer 1500-2000 Gefangene, herbergt in Wirklichkeit 4000.
Die Jagd auf Demokraten geht weiter: letzte Woche sind 5 Studenten (unter ihnen zwei Minderjährige: ein Mädchen und ein Student) verhaftet und illegal, eine Woche lang, in der Bewachungsdirektion des Gebietes zurückgehalten worden, bevor sie in das Gefängnis von Yopougon überwiesen wurden.
Trotz dieser Schwierigkeiten sind ich und meine Freunde guten Mutes, nicht zuletzt wegen der nationalen und internationalen Solidarität. Ich möchte vor allen Dingen den Militanten der RP für die Aktionen, die sie für die Demokratie und die Demokraten in der Elfenbeinküste unternommen haben, danken.
In Freundschaft, Laurent Akoun."
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ELFENBEINKÜSTE: IM GEFÄNGNIS 150 POLITISCHE OPPONENTEN
Ausser Laurent Akoun, Vertreter der Arbeiterpartei der Elfenbeinküste und Mitglied der Radikalen Partei befinden sich noch ungefähr 150 Militanten der Oppositionsbewegung der Elfenbeinküste - unter anderen Mollé Mollé, Abgeordneter, Mitglied des föderativen Rates der RP, Laurent Gbagbo, Generalsekretär der Volksfront der Elfenbeinküste und Meister Renè Degny-Seguy, Präsident der Vereinigung für die Menschenrechte der Elfenbeinküste - im dem Gefängnis von Yopougon, in Abidjan.
Der Ex-Generalsekretär der Lehrergewerkschaft der Elfenbeinküste kennt den Preis der Freiheit und der Demokratie sehr gut.Er wurde in der Zeit der einzigen Partei (1960-1990) verhaftet und seiner zivilen und politischen Rechte beraubt.
Die Radikale transnationale und gewaltlose Partei ruft hiermit die Parlamentarier und die Bürger auf, Initiativen zu unternehmen welche dazu führen dem Radikalen Laurent Akoun und allen politischen Häftlingen der Elfenbeinküste die Freiheit zurückzuerstatten.