ZUSAMMENFASSUNG: Die Organisation für den Frieden der Völker Europas und des Mittelmeeres hat im vergangenen November in Tunisi ein Seminar abgehalten "Für die Abschaffung der Todesstrafe im Mittelmeerraum".
(DIE NEUE PARTEI, März 1993)
Angesichts der unterschiedlichen Traditionen, Kulturen, Religionen, Gesetzgebungen und Heiligen Schriften wäre es falsch, tout-court durchzusetzen "die Todesstrafe ist verboten". Anstatt den Weg des Prohibitionismus sollte man eine Strategie der strengen Regelung wählen, auch was die legalen Hinrichtungen betrifft.
In den integralistischen Ländern der arabischen Welt - im Iran, Sudan, in vielen Golfstaaten - die ihre Strafpraxis direkt aus dem Koran ableiten, besteht das Ziel darin, der Rechtssicherheit und der Rechtsverbindlichkeit neues Terrain zu erobern: die Einführung der Normen positiven Rechtes, des Strafverfahrens, des Rechtes auf Verteidigung und, in höherer Gerichtsinstanz, der Begnadigung.
Gegen Ende der Arbeiten wurde ein "Komitee für die Abschaffung der Todesstrafe in den Mittelmeerländern" gegründet, welches, laut Statut, im Bereich der Kampagne der radikalen Partei tätig ist. Das Komitee hat sich als erstes Ziel gesetzt, innerhalb eines Jahres eine gro e Versammlung von Juristen, Parlamentariern, Vereinigungen und Parteien aus den arabischen und den Mittelmeerländer zu organisieren.